Nachlass: Benedikt Brun-Stiller – „Der treue Expressionist“

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Vita/ Lehrausbildung

Frühe Jahre

Benedikt Brun-Stiller wurde am 9. Dezember 1897 in Breslau geboren. Bereits in jungen Jahren stand für den damaligen Schüler fest, dass er sein Leben einzig und alleine der Malerei widmen wird. Seine Begeisterung und sein außergewöhnliches Talent sind jedoch nicht von seinem damaligen Zeichenlehrer erkannt und gefördert worden und so bezeichnete Brun-Stiller den Unterricht retrospektiv als langweiliges Unterfangen.

In den Jahren um den Beginn des ersten Weltkrieges zogen zahlreiche zunächst mit Begeisterung in den Krieg. Auch Künstler wie beispielsweiße August Macke und Franz Mark kämpften an der Front und starben letztendlich in den Schützengräben. Die Motivationslage war hierbei jedoch durchaus unterschiedlich und so kann aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollzogen werden unter welchen Umständen Brun-Stiller zwischen Juni 1916 und Dezember 1918 am ersten Weltkrieg teilnahm. Ob sich Brun-Stillers als junger naiver Mann von den kämpferischen Parolen mitreißen lassen hat, bleibt offen.

Im Herbst 1919 begann der 22-Jährige an der staatlichen Kunstakademie in Breslau zu studieren. Sein Malereistudium wurde maßgeblich durch die Lehrtätigkeiten von Oskar Moll und Otto Müller geprägt. An der Friedrich-Wilhelm-Universität hat Brun-Stiller bei Wilhelm Pinder, August Griesebach und Fritz Weege studiert. Retrospektiv kann von einer Art Kaderschmiede gesprochen werden, betrachtet man die kunsthistorische Relevanz und den heutigen Weltrang von Brun-Stillers Professoren.

Die Aufstrebenden Jahre

Eine Begegnung in Jershöft mit dem Brücke-Gründer Karl Schmidt-Rottluff stellt einen Meilenstein im Leben Brun-Stillers dar. Diese Zusammenkunft in den 20er Jahren der Weimarer Republik prägte den Künstler nachhaltig und es entstand eine intensive Freundschaft zwischen den beiden Expressionisten. Schmidt-Rottluff repräsentierte ein großes Vorbild für Brun-Stiller, wie dieser stets betonte. Nach dem Tod von Schmidt-Rottluff brach die freundschaftliche Liebe jedoch nicht ab und so ließ Brun-Stiller jedes Jahr einen Kranz binden, um diesen anlässlich des Totensonntages an das Grab Schmidt-Rottluffs zu legen.

1922 fand für Brun-Stiller die erste Einzelausstellung in Magdeburg und Dessau (Museum) statt. Zu dieser Zeit gehörte der aufstrebende Maler dem Künstlerbund Schlesien und der Künstlervereinigung Börde an. Zwischen 1925 und 1933 besetzte Brun-Stiller den Posten der Geschäftsführung der „Notgemeinschaft bildender Künstler“ in Breslau. Vor dem Krieg war es Brun-Stiller aufgrund seiner finanziellen Situation möglich sich ganz der Kunst zu widmen und somit ein Leben als freischaffender Künstler zu führen.

Im Zuge des zweiten Weltkrieges wurde Brun-Stiller im Juli 1939 einberufen und nahm unter anderem am Polenfeldzug teil. Im weiteren Kriegsverlauf war der Maler in Oberschlesien stationiert und gerat schließlich im Mai 1945 bis April 1946 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Das nächste Jahr verbachte Brun-Stiller in Beelitz, wo er in den Beelitzer Heilstätten medizinische Zeichnungen für die Sowjetischen Streitkräfte anfertigen musste. Konfrontiert mit dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einem oppositionell orientierten Künstlerkreis entging Brun-Stiller nur knapp einer Verhaftung.

Berliner Zeit

Im April 1947 zog Brun-Stiller nach Berlin und befand sich anfangs in einer recht schwierigen Situation. Der Maler war in jener Nachkriegszeit unter anderem darauf angewiesen Mohrrüben und Kartoffeln gegen Pinsel und Leinwand zu tauschen. Brun-Stillers Aussage zufolge stand Schmidt-Rotluff ihm in jener Zeit treu beiseite und erleichterte ihm seinen Start in der Großstadt ungemein.

1950 wurde die Eröffnungssaustellung im „Haus am Lützowplatz“ (HAS) Brun-Stiller gewidmet und stellte eine Art Ankunft und Eingliederung des im Tiergarten lebenden Malers in die Berliner Kunstszene dar. Im Jahr 1964 meldete sich Brun-Stiller zur ehrenamtlichen Arbeit bei der Bahnhofsmission in der Franklinstraße 27. Dort arbeitete er meist nachts und half Obdachlosen und Bedürftigen zu einem Nachtlager. In den 15 Jahren bei dem Caritas-Verband lernte Brun-Stiller viele unterschiedliche Schicksale und Lebensläufe kennen, denen er stets mit einem offenen Ohr begegnete.  1973 organisierte das HAS die Ausstellung „Brun-Stiller – Aquarelle und Ölpastelle“, bei welcher 44 Arbeiten aus den Jahren 1931 – 1973 präsentiert worden sind. Mit 89 Jahren verstarb Brun-Stiller schließlich 1986. Seine Bilder jedoch leben weiter und so richtete 2011 die Galerie Benzenberg eine posthume Ausstellung aus und präsentierte Aquarelle aus der Spätschaffenszeit des Breslauer Künstlers.

Berliner Morgenpost vom 14.01.1979
Süddeutsche Zeitung 2011
Artikel vom 19.12.1967
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Oeuvre

Der Malstil Brun-Stillers ist unverkennbar von den Frühexpressionisten und KG Brücke Mitgliedern Otto Müller und Karl Schmidt-Rottluff geprägt. Die Auflösung der traditionellen Perspektiven und die Reduktion der komplexen Motive auf markante Formelemente nahm Brun-Stiller in jungen Jahren beinahe dogmatisch auf und verinnerlichte dies bis hin zur eigenen Metamorphose zum Expressionisten. An dieser Stelle muss jedoch außerdem erwähnt werden, dass der Einfluss seines Lehrers Oskar Moll, der ein Schüler Henri Matisse war, in seinen Bildern nicht zu übersehen ist. Das leuchtende Kolorit seiner Werke kann auf den Einfluss jenes Lehrers zurückgeführt werden. Brun-Stiller beschreibt, dass Schmidt-Rottluff ihm jedoch erst den Umgang mit der Farbe beigebracht und somit sein Oeuvre mit am meisten geprägt habe..

Brun-Stiller gilt als Künstler der verschollenen Generation, welche durch das nationalsozialistische Regime in ihrer künstlerischen Tätigkeit massiv eingeschränkt und als „entartet“ verfemt worden ist. Viele Werke von Brun-Stiller gingen im Laufe des Regimes verloren, wodurch heutzutage nur noch eine geringe Anzahl von Frühwerken existieren. Brun-Stiller selbst gelang durch reinen Zufall der Rückkauf eines seiner Frühwerke, welches er seitdem wie einen Schatz hütete.

Nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich die herrschende Meinung im Kunstmarkt. Nicht mehr der Expressionismus, sonders das Abstrakte stellte ab sofort die gewünschte Ästhetik dar. Brun-Stiller hielt jedoch treu am Expressionismus fest und führte den Rhythmus, den Rausch und die Farbe, die erstmalig von den Brücke-Künstlern 1905 erschaffen worden sind, bis über den Tod Schmidt-Rottluffs hinaus fort. Der eher sensible, wortkarge und den Männern zugeneigte Brun-Stiller lebte ein eher zurückgezogenes Leben und stellte sich nur selten in den Mittelpunkt der Dinge. Von dem Kunstmarkt blieb er weitgehend unbeachtet und weder ein Galerist, noch ein Financier kümmerte sich um eine dem Künstler gebührende Betreuung und somit geriet Brun-Stiller peu a peu in Vergessenheit.

Bei der Betrachtung des Oeuvre Brun-Stillers fällt dem Rezipienten schnell auf, dass sein Werk von wiederkehrenden Motiven durchzogen ist und beim weiteren Vergleich mit anderen Expressionisten wird sichtbar, dass sich Brun-Stiller nicht mit der Abbildung der menschlichen Existenz beschäftigte. Aus seiner 15-jährigen fürsorglichen Tätigkeit, welche sicherlich eine fruchtbare Grundlage für die ein oder andereMilieustudie geboten hat, finden sich jedoch keine Motive in seinen Werken wieder. Es scheint viel mehr, dass Brun-Stiller sich anstatt dessen in einer „malerischen Welt“ aus Landschaften, Standansichten und Blumen bewegte und dies ihm Geborgenheit spendete. Im Alter begab sich Brun-Stiller immer wieder auf verschiedene Reisen, welche ihn nach Südtirol, Süditalien, Frankreich und sogar auf eine Safari nach Südafrika brachten und auch den Horizont seiner Bilderwelten erweiterten.

Obwohl die finanzielle Situation von Brun-Stiller phasenweise sehr angespannt war, spielten frische Blumen stets eine große Rolle für ihn. So hat er zweimal bei seinem Stammblumenhändler mit gerahmten Bildern bezahlen müssen um die für ihn lebensnotwenige Ausstrahlung der Natur genießen zu können.

Postkarte aus Südafrika 1975
Postkarte aus Sulden 1977
Postkarte aus Italien 1978
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Der Nachlass Brun-Stiller

Der Nachlass von Brun-Stiller  umfasst Werke aus den Jahren 1952 bis 1975. Hierbei handelt es sich um Werke, welche auf unterschiedlichsten Materialen geschaffen worden sind. Jedes Werk ist signiert, datiert, nummeriert, mit einem Nachlassstempel versehen und im Werksverzeichnis aufgenommen worden. Bei Interesse an einer digitalen Version des ganzen Werksverzeichnises können Sie gerne den Kontakt mit uns aufnehmen.

Verfügbare Werke auf Papier